Jan Korte, MdB (DIE LINKE) (www.jan-korte.de)

Befreiung von Buchenwald

11.04.2019

Vor 74 Jahren wurde das Konzentrationslager Buchenwald befreit. Um 15.15 Uhr übernahmen am 11. April 1945 die Häftlinge der internationalen Widerstandsbewegung die Kontrolle über das Torgebäude. Sie entwaffneten verbliebene Angehörige des SS-Wachpersonals und öffneten das Lagertor. Als die auf Weimar vorrückende 3. US-Armee das Konzentrationslager erreichte, war es schon befreit. Die Soldaten fanden dort 21.000 Überlebende vor, darunter mehrere hundert Kinder und Jugendliche.

Das im Juli 1937 auf dem Ettersberg bei Weimar durch die SS errichtete KZ war mit seinen 139 Außenlagern zum Ende des Zweiten Weltkrieges das größte Konzentrationslager auf deutschem Boden. Hierher hatten die Nazis zwischen 1937 und 1945 fast 280.000 Menschen aus mehr als 50 Nationen verschleppt. Etwa 56.000 von ihnen wurden ermordet oder starben an Hunger, Kälte, an den Folgen der Zwangsarbeit für die Rüstungsindustrie oder an medizinischen Experimenten. In einer eigens errichteten Tötungsanlage erschoss die SS über 8000 sowjetische Kriegsgefangene.

1943 bildeten Widerstandskämpfer mit dem Internationalen Lagerkomitee und seinem militärischen Arm, der Internationalen Militärorganisation, im Lager eine parteiübergreifende Untergrundorganisation, um das Wüten der SS nach besten Kräften einzudämmen. Zwar konnten sie nicht verhindern, dass die SS vom 7. bis 10. April 1945 28.000 Menschen des Stammlagers und mindestens 10.000 Häftlinge der Außenlager auf Todesmärsche in Richtung der KZs Dachau, Flossenbürg und Theresienstadt schicken konnte. Auf diesen Todesmärschen und „Evakuierungszügen“ starben zwischen 12.000 und 15.000 Menschen. Aber mit Heranrücken der US-Armee konnte der Aufstand der internationalen Widerstandsbewegung eine komplette "Evakuierung" des Lagers verhindern. Dwight D. Eisenhower, der Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte, schreibt später über das dort erlebte Grauen: „Nichts hat mich je so erschüttert wie dieser Anblick.“

Auf der Trauerkundgebung des Internationalen Lagerkomitees am 19. April 1945 legten die 21.000 Überlebenden für die Toten von Buchenwald den Schwur von Buchenwald ab. Darin heißt es: „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“

Angesichts des anhaltenden Rechtsrucks in der Gesellschaft, zunehmender rassistischer Gewalt und einer offen geschichtsrevisionistischen Partei in den Parlamenten ist dieses Vermächtnis aktueller denn je.

Schlagwörter

"Wenn Politik nicht mitnimmt"

Wenn eine Regierung sich nicht traut, den Konzernen auf die Füße zu treten, kommt genau das dabei heraus: Ein Schulterklopfer von der hardcore-neoliberalen Bertelsmann-Stiftung, mehr nicht. Die Große Koalition hat viele kleine Baustellen notdürftig geflickt, sich aber vor der Lösung der großen Probleme gedrückt.
Lesenswert
  • 15.07.2019, Geschichtspolitik

    Aller NS-Opfer gedenken

    Ein aktueller Artikel von Jan Korte und Ulla Jelpke zum Thema "Gedenkort für die Opfer des NS-Vernichtungskrieges in Osteuropa".
Presseecho
  • 12.08.2019, Geschichtspolitik

    "Würdiger Umgang mit Spee-Kapitän Langsdorff gefordert"

    Während Menschen wie Spee-Kapitän Langsdorff, die sich schon früh dem Irrsinn des NS-Vernichtungskrieges verweigerten und durch ihr Handeln viele Menschen retteten, bislang für die Bundeswehr als rotes Tuch gelten, werden andere, die für die mörderische Tradition der Marine stehen, immer noch geehrt. Die Traditionspflege der Bundeswehr muss dringend reformiert und endlich Antimilitaristen, Deserteure und Kriegsverräter, die sich dem NS-Vernichtungskrieg verweigerten, beispielgebend für die Bundeswehr werden.
Vernetzt
Zum Seitenanfang springen, Zur Navigation springen, Zum Inhalt springen, Suche.