Jan Korte, MdB (DIE LINKE) (www.jan-korte.de)

Herzlichen Glückwunsch Vietnam!

30.04.2020

Heute vor 45 Jahren, am 30. April 1975, markierte die Befreiung des damaligen Saigons und heutigen Ho-Chi-Minh-Stadt durch die Volksarmee Vietnams und den Vietcong unter dem militärischen Kommando von Văn Tiến Dũng das Ende des Vietnamkrieges.

Die amerikanische Evakuierung der südvietnamesischen Hauptstadt ging als "Operation Frequent Wind" in die Geschichte ein. Es war das Ende eines mehr als zwei Jahrzehnte währenden und an Brutalität kaum zu übertreffenden Krieges. Bei der Operation »Rolling Thunder«, dem größten und längsten Bombardement der Geschichte, warf die US-Air Force im Schnitt zwei Bomben pro Minute. Nordvietnam sollte, wie es ein US-General ausdrückte, »zurück in die Steinzeit« bombardiert werden. Allein 1968 wurden in diesem verheerendsten Konflikt des Kalten Krieges über Vietnam mehr Bomben abgeworfen als im gesamten Zweiten Weltkrieg. Zwei bis fünf Millionen Vietnamesinnen und Vietnamesen, also etwa ein Achtel der vietnamesischen Bevölkerung, wurden getötet. Mehrere Millionen Vietnamesen wurden verstümmelt und dem hochgiftigen Entlaubungsmittel Agent Orange ausgesetzt. Mit den Folgen haben Land und Leute bis heute zu kämpfen.

Für die USA endet der Krieg mit einem Desaster. Mehr als 500.000 amerikanische Soldaten operierten zeitweise in Vietnam, mehr als 58.000 von ihnen fielen im Kampf gegen den Vietcong. Die Niederlage führte zum »Vietnam-Trauma« der Herrschenden in den USA. Sie hatten den Krieg nicht nur militärisch verloren. Sie verloren ihn vor allem moralisch. Als nach und nach die Wahrheit über die Barbarei der Flächenbombardements oder über das Massaker von My Lai, bei dem US-Soldaten 504 Personen, die meisten davon Frauen, Kinder und Alte, ermordeten, bekannt wurden, entlarvte sich die Kriegspropaganda vom „Krieg des freien Westens für die Demokratie“ als Farce. Weltweit führte der Krieg zum Aufbegehren der Jugend und einem Erstarken der Anti-Kriegsbewegung und Außerparlamentarischen Opposition. Vor allem für die Studentenbewegung – auch und gerade in den USA - wurde der Vietnamkrieg zu einem zentralen Aktionsfeld. Neben Protesten von Studenten und Veteranen, die die Hölle von Vietnam erlebt hatten, war es vor allem die Radikalisierung vieler Afroamerikaner, die eine Verbindung zwischen ihrer Unterdrückung in den USA und der Unterdrückung der Vietnamesen durch die USA zogen, die die Antikriegsbewegung wachsen ließ. Unvergessen sind die Worte von Box-Weltmeister Muhammad Ali, als er sich seiner Einberufung widersetzte: »No Vietnamese ever called me a nigger!« – Kein Vietnamese hat mich je als Nigger beschimpft!

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