Jan Korte, MdB (DIE LINKE) (www.jan-korte.de)

Danke Beate!

07.11.2018
Beate Klarsfeld

Heute vor 50 Jahren, am 7. November 1968, ohrfeigte Beate Klarsfeld auf dem 16. Parteitag der CDU in der Berliner Kongresshalle Kurt Georg Kiesinger, den Bundeskanzler mit der NSDAP-Mitgliedsnummer 2.633.930.

„Das Anliegen war, als Deutsche selbst zu sagen: Das kann man nicht zulassen, dass ein Mann, der Nazipropagandist war und der seine Intelligenz in den Dienst des Nazismus gestellt hat, die deutsche Regierung vertritt. Und mein Mann sagt immer: ‚Das Wichtigste in deinem Leben, was Du getan hast, war die Ohrfeige‘.“ (Beate Klarsfeld)

Kiesinger war als alter Herr der rechten katholischen Studentenverbindung Askania-Burgundia bereits im Februar 1933 in die NSDAP eingetreten und machte im NS-Staat Karriere. 1940 nahm der studierte Jurist eine Stellung im Reichsaußenministerium an und stieg dort bis zum stellvertretenden Leiter der Rundfunkpolitischen Abteilung auf. In dieser Funktion war er für die Überwachung und Beeinflussung des ausländischen Rundfunks sowie für die antisemitische und Kriegspropaganda des deutschen Auslandsrundfunks verantwortlich. Dabei arbeitete er eng mit dem SS-Funktionär Franz Alfred Six zusammen, der direkt für Massenmorde in Osteuropa verantwortlich war. Trotzdem behauptete Kiesinger später er hätte den Judenhass der Bewegung nicht geteilt, aber auch „nicht als ernsthafte Gefahr“ betrachtet und vom Holocaust nichts gewusst.

Kiesinger, der bis zur Kapitulation der Nazis Mitglied der NSDAP blieb, machte danach in der Bundesrepublik eine steile Politikkarriere:

Erst von 1958 bis 1966 Ministerpräsident von Baden-Württemberg, dann von 1966 bis 1969 dritter Bundeskanzler und von 1967 bis 1971 Bundesvorsitzender der CDU.

Beate Klarsfeld wurde noch am gleichen Tag in einem Schnellverfahren zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr ohne Bewährung verurteilt. Dieses Urteil wurde jedoch nicht rechtskräftig, weil sie Rechtsmittel einlegte und das Verfahren zu einem Prozess gegen Kiesinger machen wollte. Nachdem das Verfahren zunächst auf unbestimmte Zeit verschoben worden war, wurde sie im August 1969 schließlich zu einer Bewährungsstrafe von vier Monaten verurteilt. Dies schreckte sie und ihren Mann Serge jedoch nicht ab weiter bei der Aufklärung und Verfolgung von NS-Verbrechern wie Kurt Lischka, Alois Brunner und Klaus Barbie aktiv zu sein. Danke dafür!

Anläßlich des 50 Jahrestages erschien von Wolfgang Stenke ein lesenswerter Beitrag auf Deutschlandfunk:

"Beate Klarsfeld – die Frau, die Kanzler Kiesinger ohrfeigte" (Deutschlandfunk vom 7.11.2018)

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