Jan Korte, MdB (DIE LINKE) (www.jan-korte.de)

"Der unverzichtbare Admiral Johannesson"

Nazi oder nicht? Der Streit um den ersten Flottenbefehlshaber der Bundesmarine geht weiter

05.08.2020

Bundesregierung und Bundeswehr halten weiter unbeirrt an Todesrichter Rolf Johannesson fest. Und dies, obwohl Johannesson als Chef der Abwehr die Gegenspionage der Legion Condor in Salamanca leitete und maßgeblich für die Verfolgung von deutschen Interbrigadisten, die im spanischen Bürgerkrieg gegen den Faschisten Franco kämpften, durch die Gestapo verantwortlich war. Dies widerspricht eindeutig einem Beschluss des Bundestages, wonach es kein ehrendes Andenken für Mitglieder der Legion Condor geben darf, und auch den Richtlinien des neuen Traditionserlasses der Bundeswehr. Offensichtlich ist Hitlers einstiger Durchhalteadmiral und späterer Chef der Bundesmarine für das verlogene Selbstbild der sauberen Bundeswehr jedoch von elementarer Bedeutung, so dass seine braunen Flecken weiter ignoriert werden.

Zum Hintergrund:

Der Deutsche Bundestag hatte am 24. April 1998 die Bundesregierung auf Antrag der PDS (http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/13/104/1310494.pdf) aufgefordert, "dafür Sorge zu tragen, daß Mitgliedern der Legion Condor nicht weiter ehrendes Gedenken z. B. in Form von Kasernenbenennungen der Bundeswehr" zuteilwerde (Plenarprotokoll 13/231: http://dip21.bundestag.btg/dip21/btp/13/13231.pdf). In der Folge wurden tatsächlich besonders prominente Namen wie Mölders und die "Fliegerhelden" der Legion Condor (LC) aus dem Traditionskanon der Bundeswehr entfernt und Kasernen umbenannt.

Bei Johannesson, der auch nach 1945 Karriere machte und es in der Bundesrepublik bis zum Befehlshaber der Flotte im Dienstgrad eines Konteradmiral brachte, sieht es allerdings anders aus. Hier bleibt die Bundesregierung bei ihrer Auffassung, dass dieser nicht Mitglied der LC gewesen sei und behauptet, dass der Bundestag 1998 "den Kreis der Betroffenen absichtsvoll auf die Angehörigen der Legion Condor beschränkt" habe, da auf diese Weise "Interpretationsspielräume vermieden und eine schrankenlose Ausweitung des betroffenen Personenkreises verhindert werden [sollten], die sich aus einer weitgehenden Gleichsetzung von Angehörigen und Unterstützern der Legion Condor hätte ergeben können."

Sie macht sich hier geschickt zu Nutze, dass es bislang keine wissenschaftliche Untersuchung über die Rolle der deutschen Geheimdienste auf Francos Seite gibt.

Klar ist aber: Ohne diese Nazi-Helfer zu Lande und zur See wäre auch der völkerrechtswidrige Einsatz der Legion Condor mit ihren Bombenangriffen nicht nur auf Guernica, sondern auf viele spanische Städte, mit dem Tod vieler wehrloser Zivilisten nicht möglich gewesen.

Nicht vergessen werde sollte auch, dass die Folgen des militärischen Putsches von Franco in Spanien zwischen 1936-1939 ca. 500.000 Menschenleben kosteten. Am Ende stand das faschistische, diktatorische System von Franco für die Zeit ab 1939 bis 1975.

Der lesenswerte Beitrag von René Heilig in neues deutschland findet sich hier:

"Der unverzichtbare Admiral Johannesson" (nd vom 2.8.2020)

Die Antwort der Bundesregierung auf die letzte schriftliche Frage zu Johannesson hier:

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