Jan Korte, MdB (DIE LINKE) (www.jan-korte.de)

"Nach Traditionserlass: Tirpitzhafen in Kiel umbenennen"

20.02.2020

Jan Korte und die LINKE im Bundestag hatten in den letzten Monaten in zwei Kleinen Anfragen an die Bundesregierung nach dem „Umsetzungsstand des neuen Tradionserlasses in der Marine“ gefragt. Aus der nun vorliegenden aktuellen Antwort des Verteidigungsministeriums geht hervor, dass die Marine als Konsequenz des Traditionserlasses noch in diesem Jahr in ihren Stützpunkten in Kiel und Wilhelmshaven Straßen, Molen oder Häfen mit historisch belasteten Namen umbenennen will. Der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Andreas Krause, werde die Namensvorschläge prüfen und am Ende darüber entscheiden.

So solle in Kiel die Tirpitzmole, an der das Segelschulschiff "Gorch Fock" zuhause ist, künftig nach dem ersten deutschen U-Boot, das 1851 in der Kieler Förde bei einer Testfahrt sank, Brandtauchermole heißen. Der Kieler Tirpitzhafen hingegen soll künftig nach Oskar Kusch, einem U-Boot-Kommandanten im Zweiten Weltkrieg, der wegen kritischer Äußerungen über das Nazi-Regime hingerichtet wurde, benannt werden. Darüber hinaus sollen die Namen von Militärs aus dem Ersten Weltkrieg wie Großadmiral Alfred von Tirpitz, Admiral Reinhard Scheer und den U-Boot-Kommandanten Otto Weddigen und Reinhold Saltzwedel künftig ebenfalls nicht mehr als Teil der Tradition der Bundeswehr gewürdigt werden.

"Ich begrüße es natürlich sehr, dass nun endlich die jahrelangen Forderungen und Bemühungen Erfolg hatten und die Liegenschaften umbenannt werden. Es ist eigentlich unfassbar, dass die Marine erst jetzt die Kraft findet sich von den Antidemokraten Scheer und Tirpitz zu trennen. Scheer war nicht nur ein Verfechter der Strategie des „uneingeschränkten U-Boot-Krieges“, sondern hat auch die Todesurteile gegen die Matrosen Max Reichpietsch und Albin Köbis, zwei Organisatoren der Antikriegsbewegung in der Kaiserlichen Marine, bestätigt. Und Tirpitz, der antisemitische und völkische Führer der rechtsradikalen Deutschen Vaterlandspartei, war nun allerhand, aber hätte sicher niemals traditionsstiftend für die Marine sein dürfen", erklärte Jan Korte gegenüber den Kieler Nachrichten, die als erste über die angekündigten Umbenennungen berichtet hatten.

 

Trotzdem kann man mit der Antwort der Bundesregierung alles andere als zufrieden sein. Denn während sie bei Scheer und Tirpitz endlich ihren, schon lange völlig unhaltbaren, Kurs ändert, hält sie an anderen extrem problematischen Bewertungen nach wie vor unbeirrt fest. Als unrühmliches Beispiel sei hier nur an den Todesrichter Admiral Johannesson erinnert, der noch kurz vor Kriegsende am 21. April 1945 als Seekommandant Elbe-Weser fünf Todesurteile gegen eine Widerstandsgruppe bestätigte, die die Insel Helgoland vor der drohenden Bombardierung und Zerstörung retten wollte.

„Nach meinem Eindruck geht es zwar mit dem Traditionsverständnis in der Marine langsam etwas voran, aber der Einfluss der alten Kräfte, die weiter an ihren falschen Helden festhalten wollen, ist immer noch stark. Daran ändern, das zeigen die letzten Jahre, kann eigentlich nur zivilgesellschaftliche Kritik und verstärkter Druck von außen", so das Resümee von Jan Korte.

Hier finden sie die komplette Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage "Umsetzungsstand des neuen Traditionserlasses in der Marine (Nachfrage zur Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 19/14951)"

Über die Antwort berichtete u.a. auch die Süddeutsche Zeitung:

"Nach Traditionserlass: Tirpitzhafen in Kiel umbenennen" (Süddeutsche Zeitung vom 19.2.2020)

 

Lesenswert
  • 25.06.2021, Blog

    Zur letzten Sitzungswoche der Wahlperiode

    Die letzte reguläre Sitzungswoche geht heute zu Ende, nur am 7. September wird der Bundestag noch einmal zu einer Debatte zusammenkommen. Wir haben die Woche genutzt, um eines der wichtigsten Themen der letzten Monate noch einmal auf die Tagesordnung zu setzen: Die Situation der Krankenhäuser im Land. Nur durch Milliardenzuschüsse der öffentlichen Hand konnten sie in der Pandemie funktionieren. Die Krise hat gezeigt, dass die Profitlogik und der Markt im Gesundheitswesen keinen Platz haben: Krankenhäuser sollen Menschen gesund machen, statt Profite abzuwerfen. Wir wollen öffentliche Krankenhäuser, die Menschen gesund machen, in denen das Personal gut verdient und die auch in ländlichen Regionen gut erreichbar sind.
Presseecho
  • 20.08.2021, Wahlkreis

    Kleine Anfrage: Zahl der Kleingärten nimmt ab

    Wie auch die Eckkneipe sind Kleingärten ein Ort des gesellschaftlichen Miteinanders, der Begegnung und auch des Streits. Und das ist wichtig, denn an solchen Orten gibt es dann auch ein Korrektiv, die Leute, die dir sagen, wenn du zu weit gegangen bist. Ich habe deshalb eine Kleine Anfrage an das Bundesinnenministerium gestellt, in der ich mich nach der Situation der Kleingärten in Deutschland erkundige ...
Vernetzt
Zum Seitenanfang springen, Zur Navigation springen, Zum Inhalt springen, Suche.